Dieser Satz musste erst mal eine Weile bei mir bleiben, bis ich so richtig verstanden habe, was Iris damit meinte.

Iris Johansson ist eine schwedische Buchautorin, Seminarleiterin und Mentorin. Sie selbst ist Autistin und hat dadurch ein ganz andere Erlebenswelt. Gestern Abend hatte ich die Chance sie kennen zu lernen und empfand das, was sie sagte, als sehr heilsam.

Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Das Leben ist unperfekt, unvollständig und voller Unwägbarkeiten. Ständig passiert irgendetwas, was man nicht planen, geschweige denn kontrollieren kann. Und zugleich: genau das ist das Leben. Wäre das Leben perfekt und kontrollierbar – wo wäre dann die Entwicklung? Was könnten wir lernen?

Der Sinn eines Schiffes ist es, auf dem Meer zu fahren, sich den Risiken von Wind, Wasser und Wellen auszusetzen und in Kauf zu nehmen, dass es auch beschädigt werden kann.

Und wie ist das beim Leben?

Der Sinn des Lebens ist es, gelebt zu werden. Mit allen Auf’s und Ab’s, die es da eben gibt.

Mit dem Risiko, verletzt zu werden und Erfahrungen zu machen, die nicht zu schön sind. Aber auch mit allen Chancen, die sich bieten. Die Chancen für den eigenen inneren Wachstum, die Weiterentwicklung, die Verschiebung der eigenen inneren Grenzen.

Es gibt keine Sicherungsnetze und keinen doppelten Boden. Es ist nicht die Generalprobe.

Nein, es ist alles live und in Farbe und passiert, so wie es passiert. Manchmal werden uns Sicherheiten vorgegaukelt. „Wenn du es so machst, dann wird dir nichts passieren“. Dann können wir entscheiden, ob wir auf der sicheren Seite des Lebens bleiben wollen, zu Hause sitzen bleiben und die Erfahrung nicht selbst machen. Jemand anders hat sie schon gemacht und ist dabei auf die Nase gefallen.

Aber ist das der Sinn? Ist es der Sinn eines neugebauten Schiffes im Hafen zu bleiben, damit es nicht kaputt geht? Sind nicht gerade die alten Schiffe mit viel Geschichte, die Interessantesten?

Ja, es gibt die Ängste vor dem Unbekannten, vor dem, was man nicht kennt.

Das, was man kennt, ist sicher und das Neue ist unsicher. Keine Ahnung, was kommt und keine Ahnung, wie es ausgeht.

Es ist an uns zu wählen, ob wir es als Risiko oder als Chance betrachten.

Das, was helfen kann, den Schritt in das Unbekannte zu gehen, ist Vertrauen. Vertrauen in sich selbst und in das Leben. In sich selbst, weil wir nur in uns die Sicherheit finden, mit allem, was passiert, umgehen zu können. Diese Sicherheit kann uns niemand anders geben. Es ist unsere innere Bereitschaft, sich mit Neuem auseinander zu setzen.

Der Sinn des Lebens ist das Leben und nur dadurch, dass wir uns mitnehmen lassen, können wir unser ganzes Potenzial entfalten, lernen und uns entwickeln.